Jobs ohne Barrieren – auch in der Wissenschaft?

Neue Denkanstöße auf einer Diskussionsveranstaltung in Berlin

 


"Die Veranstaltung hat gezeigt, dass alle Interessensgruppen an einem Strang ziehen. Der gemeinsame Dialog ist ein wichtiger Baustein dafür, dass die Integration immer besser gelingt". Dieses Fazit zog Annetraud Grote, die Schwerbehindertenvertrauensfrau des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen, über eine Diskussionsveranstaltung am Donnerstag, 22. Juni 2006 in Berlin. Das Paul-Ehrlich-Institut (Langen) und das Robert Koch-Institut (Berlin), beides wissenschaftliche Einrichtungen des Bundes, hatten im Rahmen des EQUAL-Projekts „Vieles ist möglich – Tandem-Partner in der Wissenschaft“, zu diesem Gedankenaustausch in der Berliner Charité eingeladen. Experten aus der Politik, der Arbeitsverwaltung und den Integrationsämtern diskutierten mit Arbeitgebervertretern und schwerbehinderten Menschen aus dem Bereich der Wissenschaft über Möglichkeiten der Beschäftigung und Weiterqualifikation. Ziel war es, zu zeigen, dass auch die Integration dieser hoch qualifizierten Menschen möglich ist und sich für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die Gesellschaft lohnt.

"Ich erwarte mir von dieser Veranstaltung ein wichtiges Signal an die Politik, an Wissenschaft und Forschung aber auch an die behinderten Akademikerinnen und Akademiker selbst", so Karin Evers-Meyer, die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen im Vorfeld. "Im Dialog zwischen Politik, öffentlichen Institutionen und der Wirtschaft muss deutlich werden, dass vorhandene Potentiale wegen einer Behinderung des Bewerbers nicht vernachlässigt werden dürfen. Berufstätige mit einer Behinderung sind abseits von wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Interessen auch eine deutliche Bereicherung für die Gesellschaft insgesamt. Alle sind aufgefordert, dieser Erkenntnis mehr und mehr Taten folgen zu lassen."

Diskussionsteilnehmer/innen aus dem politischen Umfeld waren

  • Monika Jorkowski als Vertreterin für die erkrankte Karin Evers-Meyer,
  • die behindertenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen Hubert Hüppe (CDU/CSU), Jörg Rohde (FDP), Silvia Schmidt (SPD), und
  • die arbeitsmarktpolitische Sprecherin Karola Müller (Die Linke).

    Einigkeit bestand bei den politischen Vertretern darin, dass schwerbehinderte Menschen im Bereich der Wissenschaft und Forschung immer noch unterrepräsentiert sind, so dass hier Handlungsbedarf besteht. Denn mit entsprechend angepassten Unterstützungsmöglichkeiten könnten diese Menschen ihren studierten und/oder erlernten Berufen nachgehen.

    Als Experten für die Integration in den Arbeitsmarkt standen

  • Reiner Schwarzbach, Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) und
  • Jürgen Dusel, Integrationsamt des Landes Brandenburg, stellvertretend auch für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen den knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern Rede und Antwort zu bestehenden Vermittlungs- und Förderproblemen von schwerbehinderten Akademiker/innen.

    Die Arbeitgeber-Vertreter

  • Prof. Dr. Reinhard Burger, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts,
  • Dr. Anke Engelbert, Leiterin der Verwaltung des Robert Koch-Instituts, und
  • Klaus Posselt, Referatsleiter „Personal“ des Paul-Ehrlich-Instituts,


  • berichteten von ihren langjährigen positiven Erfahrungen bei der der Integration von Menschen mit Behinderung an beiden Instituten. Sie zeigten damit eindrucksvoll, was bei entsprechender Förderung möglich ist.
    "Wir sehen täglich, dass Integration funktioniert. Barrieren aus dem Weg zu schaffen ist in gemeinsamer Anstrengung aller Beteiligten möglich", stellte Klaus Posselt fest.
    Selbst dort, wo es schon Gesetze gibt, besteht allerdings noch Verbesserungsbedarf. Auf diese Problematik wiesen Gerd Görtemaker und Dr. Alexander von Böhmer, beide Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen des Bundes hin. Denn gesetzliche Regelungen zur Eingliederung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben sind in der Regel auf Standardsituationen zugeschnitten, nicht aber auf die Situation hochgebildeter Menschen im Wissenschaftssektor. Ein Problem, das mit finanzieller Unterstützung angegangen werden könnte, stellte Birgit Rothenberg vom Dortmunder Zentrum Behinderung und Studium dar. Aktuell gibt es in der Begabtenförderung des Bundes für behinderte und chronisch kranke Promovierende keine Regelungen für Nachteilsausgleiche. Als Lösungsmöglichkeit wurde die Einrichtung eines Finanztopfs für behinderungsbedingten Mehrbedarf behinderter Promotionsstipendiaten diskutiert. Moderiert wurde die Diskussionsveranstaltung von Peter Stadler von der FAF gGmbH, die das EQUAL-Projekt als Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte unterstützt und betreut. Das Paul-Ehrlich-Institut koordiniert die Entwicklungspartnerschaft „Vieles ist möglich – Tandem-Partner in Der Wissenschaft“ seit 2005 im Rahmen eines europäischen Projekts. Umfassende weitere Informationen zu dem Projekt finden sich auf der Webseite der Entwicklungspartnerschaft.

    Bild von Podium der Disskussionsveranstaltung

    Podium der Disskussionsveranstaltung

    © Robert Koch-Institut/Bredow



    Fotos von der Veranstaltung können in den Pressestellen des Paul-Ehrlich-Instituts (Pressekontakt: Paul-Ehrlich-Institut Pressestelle Dr. Susanne Stöcker, Dörte Ruhaltinger Paul-Ehrlich-Straße 51-59 63225 Langen GERMANY Telefon: +49 6103 77 1030 Telefax: +49 6103 77 1262 E-Mail: Presse@pei.de ) und des Robert Koch Instituts (Tel: 01888 / 754 2286; Fax: 01888 / 754 2562, E-Mail: presse@rki.de) angefordert werden.

     

     

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