Integration von schwerbehinderte Wissenschaftler/innen in die KMU


Menschen mit körperlichen Einschränkungen sind im gesamten Bereich der Lebenswissenschaften unterrepräsentiert. Bauliche Barrieren und starre Studienordnungen schrecken vielerorts von entsprechenden Studiengängen ab, von experimentellen Arbeiten im Labor ist dieser Personenkreis praktisch ausgeschlossen. Letzteres macht es für schwerbehinderte Studierende und Wissenschaftler/innen besonders schwierig, ihre Qualifikationen unter Beweis zu stellen, da von Hochschulabgängern die Anfertigung einer Diplom- und Promotionsarbeit im experimentellen Bereich erwartet wird.

Auch im Anschluss daran können sich viele mittelständische und kleine Unternehmen (KMU), nicht vorstellen, im Laborbereich behinderte Menschen einzustellen.

Dabei können schwerbehinderte Menschen aufgrund ihrer entwickelten Problemlösefähigkeit oft zu übertragbaren, flexiblen Lösungen im beruflichen Alltag beitragen. Für diesen positiven Aspekt von Behinderung gibt es noch kein ausreichendes Bewusstsein.

Ein großer Anteil der Arbeitsplätze für Naturwissenschaftler/innen liegt in KMU, sie sind daher für die Integration schwerbehinderter Menschen besonders wichtig. Mit diesem Teilprojekt soll das Modell der Tandempartnerschaften auf die schwierige Phase zwischen Hochschulausbildung und Beruf exemplarisch für den Bereich Forschung & Entwicklung von Arzneimitteln ausgeweitet werden.

Die Firma

Als Pilotprojekt soll mit der Frankfurter Firma THC Pharm GmbH eine Promotionsstelle eingerichtet werden, bei der ein/e Hochschulabsolvent/in mit einer Behinderung während der Erstellung der Doktorarbeit durch erfahrene Mitarbeiter begleitet wird. Dadurch wird der Ansatz des Tandem-Modells auf die Zielgruppe der behinderten Doktorand/innen in der Privatwirtschaft ausgeweitet und erprobt.

Anderen KMU soll hierbei bewusst gemacht werden, dass eine Integration von schwerbehinderten Wissenschaftler/innen bei entsprechender Gestaltung der Arbeitsabläufe möglich ist.

Durch die Vergabe einer Promotionsarbeit wird dem schwerbehinderten wissenschaftlichen Nachwuchs die Chance gegeben, trotz einer bestehenden Schwerbehinderung die gleichen Qualifikationen zu erwerben, wie nicht behinderte Menschen. Für Jungakademiker/innen mit Behinderungen wird durch die Promotion ein erleichterter Zugang zum Arbeitsmarkt erwartet.

In dem kleinen Unternehmen (die Fa. THC Pharm GmbH beschäftigt aktuell 11 Angestellte) sind viele unterschiedliche Aufgaben von wenigen Spezialisten durchzuführen. Projektbezogene Tandempartnerschaften bestehen bereits. Diversity im Personalbereich, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Weiterbildung der Beschäftigten und Teamwork sind daher ganz oben bei den Prioritäten der Firma. Diese Erfahrungen will die Firma nutzen um eine/n Mitarbeiter/in mit einer Behinderung gut ins Unternehmen integrieren zu können.

Das Projekt

Die geplanten Untersuchungen verlangen hochqualifizierte Tätigkeiten. Sie sind demnach auch für schwerbehinderte Berufsanfänger/innen eine gute Möglichkeit, die für den Eintritt auf den Arbeitsmarkt notwendige Kompetenz zu entwickeln und zu zeigen.

In der Dissertation, die bei THC Pharm durchgeführt und betreut wird, soll die Stabilität von Dronabinolrezepturen untersucht werden.

Dronabinolrezepturen sind ein gutes Beispiel, wie anerkannte neue Wirkstoffe über die Möglichkeit der Einzelzubereitung in Apotheken (Rezepturen), schnell und kostengünstig Patienten zugänglich gemacht werden können.

Die Dissertation soll einen Vergleich von in der Apotheke hergestellten AM zu zugelassenen Präparaten ermöglichen und Wege zur weiteren Verbesserung der Rezeptur erforschen.

Im Rahmen der Arbeit wird ein intensiver Umgang mit verschiedensten Methoden im Bereich von z. B. Analytik, Wirkstoffsynthese und Galenik ermöglicht.

Zusätzlich wird die universitäre Ausbildung in das Projekt mit einbezogen. So möchten PEI, RKI und THC Pharm GmbH schwerbehinderten Studierenden aus Europa Praktikumsplätze in Forschungslabors anbieten.

 


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